Blick aus meiner Studentenbude

Die feinen Unterschiede

So schnell geht’s. Kaum hier, schon ist die Zeit wieder vorbei. Aber gut, das Jahr wird deshalb nicht weniger aufregend (im Gegenteil …). Und weil die größeren Eindrücke bereits an dieser Stelle Platz gefunden haben, heute eine ungeordnete und keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebende Liste mit 19 feinen Unterschiede (weil ich genau genommen 19 Wochen hier war).

In Helsinki gibt's gratis WLAN. Für alle Sprachen.
In Helsinki gibt’s gratis WLAN. Für alle Sprachen.
  1. Im Finnischen (also der Sprache) gibt es kein Geschlecht. Binnen-I (“LehrerInnen”) und Gender-Gap (“Lehrer_innen”) sind hier entsprechend nicht weit verbreitet, ebensowenig diskriminierende Stellenausschreibungen.
  2. Das erste Mal geregnet hat es in den gesamten fünf Monaten, die ich hier in Helsinki seit Anfang Januar bin, erst am 13. April.
  3. Trotz Quasi-Ankündigung hat sich während meines Aufenthalts hier glücklicherweise kein mir bekannter Finne das Leben genommen.
  4. Komplett Schnee-frei ist Helsinki (Meereshöhe: 0m) ziemlich genau seit dem 1. Mai.
  5. Weil die Luftfeuchtigkeit hier (vor allem im Winter) recht hoch ist und feuchte Luft sehr gut leitet, holt man (ich) sich (mir) pausenlos kleine Stromschläge.
  6. Der Frühling (Blätter, Blumen, Baumwollshirts) kam sehr lange nicht und als er dann kam, war er innerhalb von etwa einer Woche abgeschlossen. Seither ist Sommer (Hitze, Haut, Helligkeit).
  7. Finnen sind wesentlich pünktlicher als Deutsche; der Wiener würde sie wohl (Achtung Wortspiel!) Uhr-pünktlich nennen.
  8. In finnischen Toiletten recht üblich ist eine merkwürdige mobile Version eines Bidéts, sowohl für Frauen als auch für Männer.
  9. Taschentücher scheinen den meisten Finnen ein Fremdwort zu sein, Erkältungen aber keineswegs. Es endet, wie es enden muss (und erneut mit Wortspiel): Rotzfrech wird hochgezogen.
  10. Finnen sind Eishockey-WM-verrückt, wenn es gegen die Schweden geht. Entsprechend war es am Abend des entsprechenden Spieltags entsprechend ausgestorben (um das jetzt entsprechend diplomatisch zu formulieren).
  11. Um im Winter nicht vor dem zugefrorenen oder im vor lauter Kälte nicht starten wollenden Auto zu erfrieren, werden Autos hier mit Standheizung ausgestattet und an manchen Parkplätzen an Steckdosen angehängt.
  12. Helsinki hat das Prinzip des freien Internetzugangs ziemlich gut verstanden — es gibt fast in der ganzen Stadt freies Stadt-W-LAN.
  13. Meine Öffi-Vielfalt in den letzten Monaten in alphabetischer Reihenfolge: Bus, Fähre (klein), Fähre (groß), Fernbus, Flugzeug, Reisebus, S-Bahn, Tram, U-Bahn, Zug
  14. Finnen scheinen im Schnitt den Sommer lieber zu mögen als den Winter.
  15. Helsinki hat auch das Prinzip der Mehrsprachigkeit ziemlich gut verstanden — es gibt das freie Stadt-W-LAN in drei Versionen (Kein Witz!): Als “Helsingin kaupungin WLAN” (finnisch), als “Helsingfors stads WLAN” (schwedisch) und als “Helsinki City Open WLAN” (für Touristen und Austauschstudenten, glaube ich).
  16. Im südlichen Teil Finnlands sind pro Jahr gut acht Monate Winter.
  17. Weil Kasinos hier rar sind, gibt es neben jeder Supermarktkassa und auch in zahlreichen Kiosks Spielautomaten, die von jung und alt (mindestens aber 18) mit Geld gefüllt werden.
  18. Wer nicht die Nase “rümpft” (siehe Punkt 9), hustet. Das ist derart verbreitet, dass es nach dem Konzert mehr Gehuste als Geklatsche zu geben scheint. Und wer weder noch macht, hat mit hoher Wahrscheinlichkeit Snus-Tabak unter der Oberlippe. Ganz beliebt hier.
  19. Sprachenvielfalt ist hier selbstverständlich und wird als Bereicherung angesehen.

Und hier noch ein Wetter-Beweis-Zusammenschnitt mit Blick aus meinem Studentenzimmer im Zeitraffer über die fünf Monate.

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