Pulla (Foto: Photo Bean/Flickr)

Yksi kahvi ja pulla

Aufgrund meines Vornamens werde ich hier zunächst häufig für einen Italiener gehalten. Erst energisches Kopfschütteln gepaart mit höflichem Grinsen meinerseits ermutigt mein Gegenüber, doch wieder vom Italienischen ins Englische zu wechseln. Obwohl ich als Italiener hier gut aufgehoben wäre, auch als Österreicher ist man nicht fehl am Platz. Überhaupt sind eigentlich alle Kaffee-Nationen in Finnland genau richtig. Denn nicht etwa in Italien oder Österreich wird pro Kopf am meisten Kaffee getrunken, sondern in Finnland. Insgesamt rund 1300 Tassen im Jahr, also etwa dreieinhalb Tassen jeden Tag, trinkt man hier im Durchschnitt.

Foto: Photo Bean/Flickr
Pulla (Foto: Photo Bean/Flickr)

Wer jetzt denkt, von der finnischen Kaffeekultur noch nie etwas gehört zu haben, kann aber beruhigt sein: Es gibt schlichtweg keine. Finnen trinken einfach nur Kaffee; und der ist wirklich nichts besonderes. Manchmal mit Zucker, gerne mit Milch, häufig zu Kuchen/Gebäck. Und das alles zum Selberholen. Also hin zum Schalter und beim Verkäufer “yksi kahvi ja pulla” bestellen — einen (“yksi”) Kaffee (“kahvi”) und eines der berühmten finnischen Zimt-(Kardamom-)Gebäcke (“pulla”). Alternativ gibt es in Finnland Tee (meistens grünen oder schwarzen), häufig zum gleichen Preis wie Kaffee, oder “Spezial-Kaffee”, also eines dieser neumodischen Getränke wie Espresso, Cappuccino oder Cafè latte. Auf letztere scheinen Finnen selbst aber nicht sonderlich zu stehen. Der Kaffee ist hier entweder schwarz (“musta”) oder mit einer von zahlreichen Sorten Milch (“maita”) verdünnt.

Überhaupt die Milch — in Finnland wohl so etwas wie eine heilige Kuh. Und was Finnland an Kaffeekultur abgeht, macht die Milchkultur wieder wett: Es gibt sie mit und ohne Laktose, mit viel Fett (3%), weniger Fett (1,5%), kaum Fett (1%) sowie ohne Fett (“rasvaton maita”). Wobei eine fettfreie “rasvaton maita” ein bisschen aussieht (und meiner Meinung nach auch so schmeckt) wie Wasser mit Farbe. Hinzu kommen die auch in Mitteleuropa üblichen Milch-ähnlichen Getränke wie Soja- und Buttermilch, wiederum jeweils in diversen Fettanteilabstufungen.

Und das alles für ein bisschen schwächeren Kaffee? Nein.

Milch wird hier auch zum Essen getrunken. Ein Blick in die Mensa der Universität offenbart das Prozedere: Anstellen, Tablett, Besteck und zwei Gläser nehmen, wobei eines mit Wasser und eines mit einer der vielen Sorten Milch gefüllt wird; am Salatbuffet bedienen, ein Brot mit Aufstrich (Butter oder manchmal auch Hummus) beschmieren und schließlich eine der mit zahlreichen Abkürzungen versehenen Hauptspeisen wählen. Die Abkürzungen kennzeichnen jede Menge Allergien und Vorlieben, etwa laktosefrei, glutenfrei, vegetarisch, geeignet für Anti-Histaminiker oder vegan. Ein Großteil dieser Abkürzungen findet sich übrigens auch in Supermärkten — “man” schaut hier offensichtlich auf die Bevölkerung und ihre Gesundheit.

Entsprechend sind keine Überraschungen zu erwarten. Außer vielleicht beim Preis. Der Verkäufer zeigt auf die Tassen und die Kaffeekanne — in Finnland herrscht auch beim Kaffee Selbstbedienung — und stellt mir mein “pulla” hin. “Kuusi euroa neljäkymmentä”, sagt er dann und meint: 6,40.

3 Gedanken zu „Yksi kahvi ja pulla“

  1. Das hört sich ein bisschen nach Schweden an, bis auf die Sprache ;-) Aber bezüglich des Kaffees stehen sie wohl nicht so weit hinter den Finnen und pulla heißen da kanelbullar und sind fantastisch!
    Das mit der Mensa hört sich ja erstmal nicht schlecht an, aber wie ist denn das Essen so? Schmeckt es auch? Die Preise werden dem des Kaffees wohl ähnlich sein.

    1. Die Preise in der Mensa sind überraschend günstig (was fast ausschließlich an den Subventionen des Staates zum Bildungssystem liegt). Das Essen da ist eigentlich ziemlich gut essbar — ein paar “Ausreißer” sind dabei, aber sowohl Augsburg als auch München stinken dagegen auf jeden Fall ab.

  2. Hallo Mario,

    ich habe deine beiden Blogeinträge über Helsinki gelesen und bin ganz entzückt. Schreib fleißig weiter; denn die Berichte sind sehr amüsant und man lernt nebenbei viel über Land und Leute…Jetzt habe ich richtig Lust, noch mal nach Helsinki zu reisen.

    Liebe Grüße und noch eine schöne Zeit,

    Judith

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