“We go to the sauna, we drink, and then we kill ourselves.”

So also sehen sich die Finnen selbst? Nach drei Tagen in der finnischen Hauptstadt dieser Satz. Aus dem Mund einer Lahtin (Oder wie heißen die Bürgerinnen von Lahti?). Als Reaktion auf die Frage, wodurch sich Finnen charakterisieren, zumal sie sehr wenig eigene Geschichte haben:

We go to the sauna, we drink, and then we kill ourselves.

Wo bin ich hier gelandet? Aber immer schön der Reihe nach.

“We go to the sauna.”

Das ist ein Klischee, das offensichtlich stimmt. Gerüchten zufolge kommen auf die 5,4 Mio. Finnen etwa 3 Mio. Saunen — sogar im Studentenwohnheim steht eine frei zur Verfügung. Und natürlich im Hochschulsportzentrum, sowie in Hotels, Privathäusern und in unzähligen Hütten über den Norden des Landes verteilt. Wobei mit Finnlands Norden hier meist die oberen drei Viertel des Landes gemeint sind; eben da, wo nur sehr wenige Menschen wohnen.

Helsinki um 16:30 Uhr.
Helsinki um 16:30 Uhr.

Interessant dabei ist, dass sämtliche öffentlichen Saunen in Finnland Geschlechter-getrennt funktionieren, es also separate Kabinen für Frauen und Männer gibt. Das ist deshalb interessant, weil — anderes bestätigtes Klischee — hier alles gleichberechtigt ist, während im weniger gleichberechtigten Österreich oder auch dem ebenfalls weniger gleichberechtigten Deutschland Saunen gemischt ablaufen.

Aber apropos Gleichberechtigung: Finnland hatte bis vor kurzem eine Frau als Präsidentin und war 1906 das erste Land der Welt, in dem Frauen einerseits wählen durften und andererseits auch weibliche Abgeordnete ins Parlament gewählt wurden. Heute sind 43 Prozent der Abgeordneten Frauen.

Und noch ein bestätigtes Klischee: Finnland beheimatet relativ zur Bevölkerung weltweit die meisten Blondinen. Bei den Männern würde ich gefühlsmäßig übrigens sagen, dass diese entweder (sehr) kurze Haare haben oder offensichtlich gerne Metal-Musik hören. Aber das gilt es noch zu verifizieren.

“We drink.”

Nicht zu verifizieren ist, dass Finnen viel trinken. Kaffee (“kahvi”) einerseits, Alkohol andererseits. Vorzugsweise Vodka, Bier und Wein. Erhältlich sind diese Getränke beim staatlichen Alkoholverkauf ALKO, der den Verkauf aufgrund offensichtlicher Trunkenheit auch verweigern kann. Allerdings entgeht ihm dabei ein saftiges Geschäft. Eine kleine, für Helsinki typische, Preisliste:

  • Wein (0,75), im Supermarkt/ALKO: ab 7 €
  • Bier (0,33), im Supermarkt/ALKO: ab 3,50 €
  • Bier (0,33), in der Bar: ab 7,20 €

Das liegt zum Teil an der sehr hohen Alkoholsteuer, zum Teil am generell hohen Preisniveau in Finnland: Für eine Tasse Kaffee und ein “pulla”, eine Art Zimtschnecke, bezahlt man selten weniger als sechs Euro. Und die Pizza Margherita beim Italiener des Vertrauens schlägt gerne mit bis zu 14 Euro zu Buche.

“We kill ourselves.”

Dieser letzte Teil des Zitats spielt auf die extrem hohe Suizidrate in Finnland an. Weltweit belegen die Finnen in dieser traurigen Statistik den 15. Platz; pro 100 000 Einwohner begehen demnach 20,1 Personen oder 0,02 Prozent jährlich Selbstmord.

Feuer-Show im Rahmen des Lux-Festivals 2013.
Feuer-Show im Rahmen des Lux-Festivals 2013.

Erklärt wird dies oft mit der extremen Einsamkeit, die mit Finnland verbunden ist. Denn das Land ist mit knapp 340 000 km² in etwa so groß wie Deutschland ohne Thüringen; oder wie Großbritannien und Ungarn zusammen. Bei gerade einmal 5,4 Millionen Einwohner entspricht das einer Bevölkerungsdichte von 15,5 Personen pro Quadratkilometer. Würde man also alle Finnen gleichmäßig auf das ganze Land verteilen, hätte jeder Bewohner etwa neun Fußballfelder für sich allein.

Hinzu kommt die lange Dunkelheit im Winter: Aktuell geht die Sonne in Helsinki um 9:15 auf und um 16:15 Uhr unter. Davor und danach herrscht Dunkelheit im Süden Finnlands, weiter nördlich zeigt sich die Sonne noch seltener.

Kein Wunder also, dass die Suizidrate in Finnland im Winter höher als im Sommer ist. Und kein Wunder, dass deshalb versucht wird, etwas Licht in das dunkle und einsame Land zu bringen. Etwa mit Lichtinstallationen im Rahmen des Lux-Festivals, das gerade in Helsinki zu Ende geht. In dessen Rahmen fiel übrigens das eingangs erwähnte Zitat. Von der finnischen Tour-Leiterin.

Hausmitteilung

Helsinki. Mit knapp 590 000 Einwohner die bevölkerungsreichste Stadt Finnlands. Zweisprachig (finnisch und schwedisch), Haupt-, Hafen- und Universitätsstadt. Und recht kalt – der jährliche Durschnitt liegt laut Wikipedia bei 4,8 Grad Celsius.

Europakarte
Augsburg/München > Helsinki.

Die Zusage ist da, es geht für mich also nach Finnland. Im Rahmen des ERASMUS-Austauschprogramms zwar erst im Sommersemester 2013, aber man kann ja nie früh genug anfangen zu planen. Um Kultur-, Reise- und sonstige Tipps bin ich dankbar. Revanchiere mich dann zu gegebener Zeit an dieser Stelle mit Fotos und Berichten.