Im Polarexpress

Kiefer um Kiefer, gelegentlich ein paar Fichten. Dazu Schnee soweit das Auge reicht. So präsentiert sich Finnland, begibt man sich auf den Weg in Richtung Norden. Die Szenerie ist vornehmlich weiß und grau, das Bild ist eintönig. Die abertausenden Seen sind zugefroren und — wie die wenigen (bunten) Häuser — mit Schnee bedeckt. Und dazwischen immer wieder Bäume. Vierzehneinhalb Stunden lang.

Idyllische Einöde.
Idyllische Einöde.

Wir verlassen Helsinki am Abend mit dem Bus, passieren Lahti und Jyväskylä. Aus Sicht der Hauptstadt-Bewohner befinden wir uns damit bereits in der Mitte Finnlands; aus geografischer Sicht sind wir noch im untersten Viertel. Alles Ansichtssache in einem Land, in dem rund 70 Prozent der Bevölkerung im südwestlichsten Dreieck zwischen Turku, Tampere und der Hauptstadtregion leben.

Weiter durch die Nacht, das Bild unverändert: Kiefern, Fichten, Schnee. Nach rund 600 Kilometern legen wir einen Frühstücksstopp in Oulu ein, anschließend geht es weiter nach Kemi. Zum weltweit größten Schloss aus Schnee und Eis — Übernachtung möglich aber teuer (rund 300 Euro pro Nacht). Klingt außerdem kalt? Mitnichten: Im Schloss sind es kuschelige minus 3,5 Grad. Draußen ist es kälter. Witzige Notiz am Rande: Im Schloss gibt es einen Raum voller eisiger “Angry Birds”. Das (ursprüngliche) Handy-Spiel stammt nämlich aus Finnland.

Eingang Santa-Village
Der einzig wahre Weihnachtsmann, direkt am Polarkreis.

Nächster Halt in Rovaniemi, der Hauptstadt und zugleich Eingangstor finnisch Lapplands. Eine Kleinstadt mit rund 60 000 Einwohnern, direkt am Polarkreis. Unter ihnen auch der Weihnachtsmann. Der echte und einzig wahre “joulupukki” wohlgemerkt! In seinem “Santa Village” laufen die Vorbereitungen auf den Dezember das ganze Jahr über. In der Poststelle hat man die Wahl zwischen zwei Briefkästen: “Versand heute” oder “Versand an Weihnachten”. Auch Rentiere leben hier — Nasenfarbe: eigentlich grau bis schwarz, dank Schnee aktuell weiß. Rudolph hat wohl heute frei. Es sollten jedenfalls nicht die letzten Rentiere sein, die uns begegnen. Der Eintritt ins Dorf des Weihnachtsmanns ist übrigens kostenfrei, die Begegnung mit Santa ebenfalls. Nur die Erinnerung kostet: Das Foto, gemacht von einem Weihnachtselfen, schlägt mit 25 Euro zu Buche, die digitale Version samt USB-Stick kostet 49.

Eine Hütte wie die unsere. Natürlich ausgestattet mit Kamin und Sauna.
Eine Hütte wie die unsere, mit Kamin und Sauna. Natürlich.

Weitere 250 Kilometer und viele weitere Kiefern und Fichten später erreichen wir unser vorläufiges Ziel: Saariselkä, ein Wintersportort im umgangssprachlichen wie geografischen Norden Finnlands. Die Region gehört zum nordfinnischen Fjell-Gebiet, einer in diesen Breitengraden üblichen Hochgebirgsart. Wobei “hoch” (zumindest für Österreicher) hier sehr relativ zu sehen ist, es geht eher um die Zusammensetzung des Bodens. Und noch mehr Geographie: Die Chancen, hier die Aurora Borealis zu sehen, stehen — auch dank der Jahreszeit — recht gut. Der erste Versuch scheitert dennoch. Das Wetter!

Besuch im Urho-Kekkonen-Nationalpark, dem zweitgrößten Nationalpark Finnlands. Die Kiefern (Ausschließlich! Saariselkä bildet die Nordgrenze der Fichte.) erstrecken sich hier auf etwa der Fläche Luxemburgs bis nach Russland. Ich bin schwer beeindruckt. Von den Ausmaßen, der Natur, der Unendlichkeit der Kiefer.

Kiefern so weit das Auge reicht. Ein Blick über den Nationalpark.
Kiefern so weit das Auge reicht. Ein Blick über den Urho-Kekkonen-Nationalpark.

Abends sind wir eingeladen. Bei einer Saamenfamilie und ihren Rentieren. Letztere sehen stark mitgenommen aus, was wohl an den Rangkämpfen und der Tatsache liegt, dass Rentiere ihre Geweihe einmal jährlich verlieren. Auch hier keine roten Nasen, dafür eine sehr anschauliche Zahl: Im finnischen Teil Lapplands leben etwa 200 000 Menschen und genausoviele Rentiere. Die Saami-Frau lacht und ergänzt: “Würden Aliens in Lappland landen, sie könnten meinen, Rudolph regiere die Welt.” Wie die australischen Schafe oder die österreichischen Kühe haben übrigens auch die lappischen Rentiere alle einen Besitzer und sind entsprechend gekennzeichnet. Und es gilt hier als unhöflich, nach der Größe der Herde zu fragen — ähnlich wie die Frage nach dem Gehalt in Mitteleuropa.

Im Anschluss starten wir unseren zweiten Versuch, die Aurora Borealis zu erspähen. Klappt um ein Haar; immerhin sehen wir die hellgrauen Umrisse am dunkelgrauen Himmel. Auch dieses Mal stört das Wetter.

bunte Häuser am verschneiten Fjord-Strand
Bilderbuchkitsch in Bugøynes, Norwegen.

Tags darauf steht ein Ausflug zu den norwegischen Fjorden auf dem Programm. Aus mitteleuropäischer Sicht also eine Fahrt vom Norden in den noch nördlicheren Norden. Ziel ist das Dorf Bugøynes (gesprochen wie ein genuscheltes “Bügönnes”) am nordöstlichen Rand der Finnmark. Die heißt so, weil auf einem norwegischen Gebiet, so groß wie Dänemark zahlreiche Finnen leben. Letzteres liegt wohl an der Grenznähe. Wir befinden uns jetzt rund 500 Kilometer nördlich des Polarkreises, kurz vor dem 70. Breitengrad (69° 58′ N). Auf dem Weg begegnen wir zahlreichen Rentieren, wobei keines nach kürzlich geleistetem Rangkampf aussieht. Vielleicht sind Rentiere an der Grenze zu Norwegen und damit einer Außengrenze der EU etwas vorsichtiger und friedliebender, quasi Pazifisten-Rudolph. Übrigens steht an der Grenze der einzige intakte Zaun — für die Tiere wohlgemerkt, Grenzkontrollen gibt es keine.

Kaum sind wir auf norwegischem Boden, ändert sich auch die Umwelt. Bäume werden rarer, die Landschaft hügeliger, Preise teurer. Und kaum kommen wir bei den Fjorden und dem Dorf mit den fast schon kitschig bunten Holzhäuschen an, strahlt uns auch die Sonne entgegen. Ich bin, mal wieder, schwer beeindruckt. Von der Stimmung, der Natur, der Verwinkelung der Fjorde. Übrigens sind letztere bis zu 200 Meter tief und — aufgrund des Golfstroms — nicht gefroren. Haben wir prompt genutzt und sind, stilecht nach dem Saunabesuch, baden gegangen. Bei etwa 5 Grad Wasser- und minus 10 Grad Luft-Temperatur im arktischen Ozean der norwegischen Fjorde.

Aurora Borealis
Es grünt so grün, wenn Lapplands Lichter glüh’n.

Auf dem Rückweg dann ein kurzer Halt in Inari, dem Zentrum der finnischen Saami-Kultur: Hier stehen Parlament und offizieller Souvenir-Shop. Abends ein erneuter Versuch, mit der Aurora Borealis Bekanntschaft zu schließen. Und dieses Mal klappt es. Zunächst schwach, mit grünem Schimmer am Horizont. Gute drei Stunden später, nachts um halb Vier, nehmen die Aktivitäten am Himmel aber zu. Grüne Lichter tanzen lautlos durch die Nacht. Es sieht ein bisschen so aus, als hätte Darth Vader sein rotes gegen ein grünes Lichtschwert getauscht und versucht nun, von außen die Welt wie eine Melone aufzuschneiden. Einer Erzählung der Saamen nach eilt übrigens ein Fuchs mit brennendem Schwanz gen Norden und streift währenddessen immer wieder die Erde. Die Aurora bewegt sich dabei derart rasant, dass man mitspazieren, dem Licht am Himmel folgen kann. Zum letzten Mal auf dieser Reise bin ich schwer beeindruckt. Vom Darth-Vader-Fuchs Lapplands, der mächtigen Natur, der Unwichtigkeit des Menschen.

Übrigens: Mehr Bilder gibt es, wie gehabt, unter http://flickr.com/drphotomario.

Kahvezeit

Ich habe Kahve gekocht. So richtigen türkischen Kahve, also mit Zucker und Satz. Dafür braucht man eigentlich nur ein türkisches Mokka-Kännchen (Ibrik), Kaffeepulver (bestenfalls biologisches und fair gehandeltes Espresso-Pulver, zum Beispiel Arabica), etwas Feinkristallzucker und Gewürze, wenn man das möchte (Zimtpulver oder Kardamom-Kapseln).

Kaffeepulver

Das Kaffeepulver und der Zucker (mengenmäßig je nach Geschmack, für den Anfang etwa anderthalb Teelöffel Kaffee und einen halben Teelöffel Zucker pro Espressotasse) in das Kännchen füllen und vermengen. Das Ganze dann mit der entsprechenden Menge Wasser, also eben einer Espressotasse voll, verrühren und auf dem Herd aufkochen lassen.

Kaffeekännchen auf dem Herd
Mehrfaches Aufkochen sorgt für den Geschmack.

Wenn das Gemisch zum ersten Mal aufkocht, wird vom sich bildenden Schaum ein wenig abgeschöpft und in die Tasse gegeben. Dann wieder aufkochen und anschließend auf den Schaum in die Tasse füllen. Mit dem ganzen Kaffee-Satz. Dann den Satz setzen lassen und genießen. Damit der Kahve währenddessen nicht auskühlt, haben manche Tassen den berühmten Deckel.

In der Türkei wird zwischen drei Stufen unterschieden, die sich auf die verwendete Menge des Zuckers beziehen. Ohne, wenig oder viel Zucker sind die Kriterien, nach denen der Gastronom seine Gäste verwöhnt.

türkischer Kahve
Der fertige Kahve.

Wer seinen Kahve mit Gewürzen verfeinern möchte, mischt diese unter das Zucker-Kaffee-Gemisch vom Anfang; noch bevor das erste Wasser dazukommt.

Weitere Details zum Kahve-Bereiten gibt’s übrigens hier bei Illy. Und Infos zum Lesen des Kahve-Satzes hier bei Arte.