Runeberg und die Wirtschaft

Runeberg-Törtchen
Kein Café ohne Runebergintorttu.

Heute ist Runeberg-Tag (“Runebergin päivä”). Und da Finnen und Berge zusammengehören wie Fische und Fahrräder, handelt es sich bei Runeberg natürlich nicht um einen Gipfel der berühmten Helsinker Alpen, sondern um den Namen eines berühmten Finnen: Johan Ludvig Runeberg. Die Kurzform: schwedischsprachiger aber finnischer Nationaldichter, Heldenballaden, 19. Jahrhundert, Finnlandschwede (also einer der Gründe, warum hier alles zweisprachig ist), acht Kinder, Nationalhymne, Lehrer, Sprachentalent und Süßigkeitenliebhaber.

Süßigkeitenliebhaber? Joo (sagt man hier für “ja”, neben “kyllä”).

Runeberg stand total auf kleine Mandel-Törtchen mit Himbeermarmelade, natürlich von seiner Frau Frederika hausgemacht. Und heute heißen die inzwischen zur finnischen Spezialität erklärten aber nicht mehr immer hausgemachten Küchlein “Runeberg-Törtchen”. Was für ein Zufall.

Und noch ein Zufall: Wenn man online nach “runebergintorttu” sucht, stößt man häufig auf Erzeugnisse der finnischen Schokoladen-, Brot- und Süßwarenfabrik Fazer — eine Fabrik nahe Helsinki, die ich zufälligerweise gestern besucht habe. Das heißt: Besucht habe ich nur das Gebäude, in die Fabrik durften wir nicht. Grund: Zuviele Besucher. Also gabs drei Filme zu sehen, vier Ausstellungsräume zu besuchen, viel Schokolade zu probieren und noch mehr Süßwaren zu kaufen. Schade.

Jedenfalls: Fazer (gesprochen wie’s geschrieben wird: fat-ser). Ein Unternehmen, das in acht (vorwiegend baltischen und skandinavischen) Ländern etwa 17000 Mitarbeiter beschäftigt und vor allem Süßigkeiten (Schokolade, Pralinen, Gebäck und Weingummi) und Brot (z.B. Finnlands erstes Toastbrot, außerdem natürlich Roggenbrot) verkauft sowie Restaurants und Kantinen betreibt. In Österreich und Deutschland sind die Produkte weniger bekannt, sie werden lediglich in manchen Läden vom Zwieback-Hersteller Brandt vertrieben.

Fazer-Schokolade
Fazerin sininen — “Fazers Blaue”. Quasi das Original, nur kleiner.

Fazer nicht zu kennen macht aber auch nichts. Die Schokolade is(s)t, auch wenn Finnen das natürlich anders sehen, geschmacklich nichts besonderes; die berühmteste — “Fazerin sininen”, also “Fazers Blaue”, aufgrund der Verpackung — ist eine simple Vollmilchschokolade. Sie besteht jedoch, das versicherte uns die Fazer-Frau (eine der etwa zwei Drittel Frauen gemessen an allen Beschäftigten), aus etwas mehr Kakao als gewöhnliche Milchschokolade (Anteil rund 30-35 Prozent) sowie aus frischer Milch. Also nichts für Laktoseintolerante. Den hohen Frauenanteil im Unternehmen erklärt sie sich übrigens ganz einfach: “We make chocolate!”

Ein anderer Grund könnte der Arbeitgeber selbst sein: Das Unternehmen bietet seinen MitarbeiterInnen Fitnessstudios, stark vergünstigte Produkte, kostenfreie Firmen-interne Ärzte und Physiotherapeuten sowie Finnlands ersten Firmenkindergarten. Also alles gut im Hause Fazer? Fast: Bei der Frage nach Fair Trade rümpft die Frau die Nase; man ist Mitglied in der World Cocoa Foundation, einer Non-Profit-Organisation zur Erhöhung der Löhne von Kakaobauern, das sei so ähnlich. Naja, fast.

Übrigens gehört das Unternehmen mit seinen knapp 7000 Mitarbeitern in Finnland zu den 20 größten Arbeitgebern des Landes. Der größte ist, nun ja, Nokia (gut 63000 Mitarbeiter). Es folgen Stora Enso (ca. 44000), ein Forstunternehmen, das Papier und Karton bzw. Verpackungen herstellt, und Kone (rund 30000), der viertgrößte Aufzug- und Rolltreppenhersteller der Welt. Außerdem in der Liste: Weitere Forst- und Papier-Unternehmen, das lokale Medienimperium Sanomat sowie Industriefirmen aus Schiff- und Stahlbau. Und ein bisschen EDV. Aber mehr dazu folgt in bälde.

Im Vergeben von Namen sind die Finnen übrigens alles andere als kreativ: Kone heißt übersetzt schlicht “Maschine”, Nokia ist der Name der Heimatstadt des Handy-Herstellers, Sanomat sind die Nachrichten und Fazer der Familienname des (Schweizer) Gründers. Das liegt vielleicht daran, dass die Sprache schon komplex genug ist, da sollen Eigennamen nicht noch für zusätzliche Verwirrung sorgen. In diesem Sinne: Yksi kahvi ja runebergintorttu.