Zur Lage der Portion

Ist doch so gut gewürzt und so schön flambiert
und so liebevoll auf Porzellan serviert.
Dazu ein guter Wein, zarter Kerzenschein.
Ja da lass ich mir Zeit, etwas Kultur muss sein.
— Rammstein, “Mein Teil”

Schenkt man Rammstein Glauben, scheinen Kannibalen mehr Essenskultur als Finnen zu haben. Merkwürdig, was einem in der Ferne so auffällt, gefällt oder missfällt. Aber der Vergleich von Rammstein mit der finnischen Einstellung zu Essen passt wie Bertolt Brecht zu weinenden Haien — ziemlich gut.

Zu allererst, und daran sind teils Blogs, teils Reiseführer schuld, fallen einem an der finnischen Essenskultur Kaffee und mit viel Kardamom versehene Süßspeisen auf. Das war es dann aber auch schon mit der Kultur: Der Kaffee ist meistens nicht besonders gut und je nach Bäcker schmecken Pulla wie ordinäre Zimtschnecken. Teure ordinäre Zimtschnecken.

Die Suche nach weiteren Landes-typischen Speisen verläuft sich schnell. Denn generell wird hier nicht besonders viel Wert auf Essen gelegt; es dient vielmehr der Aufnahme von Nahrung als dem Genuss. Zeit nimmt man sich höchstens danach, bei Bier und Wein. Das Essen ist da längst erledigt; man könnte auch sagen, es verschlingt hier nicht viel Zeit. Das Credo lautet offensichtlich Teigling und Toast statt Brot; reichhaltig und rasch statt Geschmack; Tiefkühl und Tube statt Frische. Wirklich Landes-typische Gerichte gibt es kaum. Wenn überhaupt, dann sind es einzelne Zutaten: Neben Kardamom etwa rote Beete, Dill, Molte- und Preiselbeeren.

Hefeteig mit Kardamom
Kardamom mit Hefeteig.

Dann eben selber machen — Pulla zum Beispiel. Die bestehen aus einem Hefeteig, der mit, richtig, Kardamom gewürzt wird. Das Gewürz ist hier übrigens derart beliebt, dass es sogar ein Kardamom-Parfum gibt. Riecht aber nur so gut wie es klingt und die blass-braune Plastikflasche vermuten lässt. Und noch ein interessantes Detail: Kardamom stammt laut Wikipedia hauptsächlich aus Indien, gelegentlich auch aus Thailand oder Madagaskar. Wäre interessant zu erfahren, wie die eher geschmacksneutral würzenden Finnen darauf gekommen sind.

Zuviel Zimt? Gibt's nicht.
Zuviel Zimt? Gibt’s nicht.

Zurück zu den Pulla: Nach ein bisschen warmer Ruhe geht’s ans Ausrollen. Im Idealfall rechteckig, damit die Schnecken später annähernd gleich groß werden. Mit geschmolzener Butter bestreichen und großzügig Zimt und Zucker darauf verteilen. Sehr großzügig. Dann wird eingerollt und im Zick-Zack in Kegel-förmige Schnecken geschnitten. Die kommen jeweils mit der schmalen Seite nach oben auf ein Blech, werden mit Ei bestrichen und mit Hagelzucker bestreut. Wieder warten und dann ab in den (vorgeheizten) Ofen damit. Nicht schwierig, nicht teuer, nichts besonderes.

Ganz ähnlich könnte übrigens die Beschreibung für Restaurants lauten — wenn auch nicht ganz so preiswert. Die Speisen sind international und reichhaltig, die Portionen groß. Dennoch: Es fehlt häufig die Kreativität. Zu den Lieblingsgerichten gehören Lachs- und Erbsensuppen, Fleisch, Fisch sowie Käse in Hart-, Weich- und Grillform. Typische finnische Gerichte gibt es hingegen kaum (Rentierfleisch zählt, wie man mir häufiger erklärte, eher zu den Gerichten für Touristen).

Rollen bitte. Wie Rammstein das R.
Rollen bitte. Wie Rammstein das R.

Ein Blick in die Supermärkte verrät teilweise den Grund: Denn regional und saisonal gehören hier nicht zum wirklich zum Sortiment. Vielmehr dominiert internationale Vielfalt, jeder Jahreszeit zum Trotz. Heute im Angebot: Avokados, Erdbeeren, Spargel. Ein Hoch auf Kapitalismus und Globalisierung. Kein Wunder, dass bei solchen Angeboten lokale Gerichte zu kurz kommen.

Überhaupt die Supermärkte. In Finnland ein eigenes Phänomen: Zwei Ketten dominieren den gesamten Markt (S-Market & K-Market); die einzige Konkurrenz kommt seit einiger Zeit aus Deutschland (Lidl). Das Angebot unterscheidet sich bei den beiden Großen, deren Namen ähnlicher nicht sein könnten, kaum voneinander, die Preise ebensowenig. Nur die Öffnungszeiten variieren, wobei die Faustregel gilt: Je länger, desto teurer. Vorwürfe der Preisabsprache gab und gibt es zuhauf, Belege dafür fehlen aber.

Vielleicht ist es mit dem finnischen Ruf ein bisschen wie mit dem Image Rammsteins. Durch das gerollte R und die Texte, die häufig um Gewalt und Sexualität kreisen, wird die Band häufig mit Rechtsextremismus in Verbindung gebracht. Doch das Gegenteil ist vielmehr der Fall.

Finnen haftet dank Sauna, Kaffee-Konsum, Verschlossenheit und Bildungssystem ein bisschen das Image gut gebildeter, seelenruhiger Genießer aus dem Norden an. Ich würde nicht so weit gehen, das Gegenteil zu behaupten. Man lebt hier wirklich sehr gut und das ist zu einem großen Teil der ausgezeichneten Bildung geschuldet. Aber den Genuss, den bezweifle ich ein wenig: Schwimmbad ja, aber ohne Liegeflächen. Sauna ja, aber ohne Ruhebereich. Essen ja, aber ohne Zeit. Schade eigentlich.

Kahvezeit

Ich habe Kahve gekocht. So richtigen türkischen Kahve, also mit Zucker und Satz. Dafür braucht man eigentlich nur ein türkisches Mokka-Kännchen (Ibrik), Kaffeepulver (bestenfalls biologisches und fair gehandeltes Espresso-Pulver, zum Beispiel Arabica), etwas Feinkristallzucker und Gewürze, wenn man das möchte (Zimtpulver oder Kardamom-Kapseln).

Kaffeepulver

Das Kaffeepulver und der Zucker (mengenmäßig je nach Geschmack, für den Anfang etwa anderthalb Teelöffel Kaffee und einen halben Teelöffel Zucker pro Espressotasse) in das Kännchen füllen und vermengen. Das Ganze dann mit der entsprechenden Menge Wasser, also eben einer Espressotasse voll, verrühren und auf dem Herd aufkochen lassen.

Kaffeekännchen auf dem Herd
Mehrfaches Aufkochen sorgt für den Geschmack.

Wenn das Gemisch zum ersten Mal aufkocht, wird vom sich bildenden Schaum ein wenig abgeschöpft und in die Tasse gegeben. Dann wieder aufkochen und anschließend auf den Schaum in die Tasse füllen. Mit dem ganzen Kaffee-Satz. Dann den Satz setzen lassen und genießen. Damit der Kahve währenddessen nicht auskühlt, haben manche Tassen den berühmten Deckel.

In der Türkei wird zwischen drei Stufen unterschieden, die sich auf die verwendete Menge des Zuckers beziehen. Ohne, wenig oder viel Zucker sind die Kriterien, nach denen der Gastronom seine Gäste verwöhnt.

türkischer Kahve
Der fertige Kahve.

Wer seinen Kahve mit Gewürzen verfeinern möchte, mischt diese unter das Zucker-Kaffee-Gemisch vom Anfang; noch bevor das erste Wasser dazukommt.

Weitere Details zum Kahve-Bereiten gibt’s übrigens hier bei Illy. Und Infos zum Lesen des Kahve-Satzes hier bei Arte.

Dreierlei Dip

Weil ich darum gebeten wurde, gibt es heute einen Rezept-Post. Ob das der Startschuss zum neuen und viel spekulierten Food-Blog marioonline.at ist, kann ich zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen. Fakt ist aber, dass die drei heutigen Dip-Rezepte allesamt vegan und schnell gemacht sind sowie aus dem Buch “Kräuter & Gewürze” von Jill Norman stammen.

Dreierlei Dip

Dip, koreanisch süß-sauer

  • 1 TL Zucker
  • 4 EL Soja-Sauce
  • 2 TL Reis- oder Apfel-Essig
  • 1 TL Sesam-Öl
  • 2 TL Sesam (geröstet)
  • 1 kleine Zwiebel (fein geschnitten, evt. kurz gedünstet)
  • 1/2 TL Chili
Dip, koreanisch süß-sauer

Soja-Sauce und Essig vermischen und den Zucker darin auflösen. Öl hinzufügen und rühren. Anschließend die restlichen Zutaten hinzugeben.

Tomaten-Dip indischer Art

  • 2 EL Olivenöl
  • 6 Knoblauchzehen
  • 1 kg Tomaten
  • 1-2 TL Salz
  • 4 TL Baharat

Baharat ist eine saudische Gewürzmischung, die man auch gut selbst herstellen kann, indem man einfach die folgenden Gewürze mischt. Für den Dip kann man sich an folgende Mengenangaben halten:

  • 1/2 TL schwarzer Pfeffer
  • 1/2 TL Koriander
  • 1/4 TL Zimt
  • 1/2 TL Kreuzkümmel (Cumin)
  • 1/2 TL Nelken
  • 2 Kapseln Kardamom (bzw. die Samen daraus)
  • 1/2 TL gemahlener Ingwer (oder etwas weniger getrockneten)
  • 1/4 TL Muskat
  • 1 TL Paprika-Pulver (edelsüß)
  • 1/2 TL Chili

Tomaten-Dip indischer Art

Wasser zum Kochen bringen. Tomaten auf der Rückseite überkreuzt einritzen und ins kochende Wasser geben. Kurz blanchieren und sobald sich die Haut zu lösen beginnt, herausnehmen, mit kaltem Wasser abspülen und schälen. Anschließend grob schneiden.

Den Topf ausleeren und das Öl darin erhitzen. Die Knoblauchzehen grob zerdrücken und ins Öl geben. Nach etwa einer Minute die Tomaten dazugeben und zugedeckt 20 bis 30 Minuten auf niedriger Stufe köcheln lassen.

Die Gewürzmischung Baharat einrühren und kurz weiterköcheln. Anschließend pürieren, auskühlen lassen und abfüllen.

Senf-Dip mit viel Petersilie

  • 1 EL Dijon-Senf
  • Saft einer Zitrone
  • 150 ml Olivenöl
  • 90 g Petersilie (frisch)
  • 2 kleine Zwiebeln
  • Salz und Pfeffer
Senf-Dip mit viel Petersilie

Zwiebeln fein schneiden, Petersilie hacken. Senf mit dem Zitronensaft mischen und das Öl unter Rühren hinzufügen bis eine homogene Masse entsteht. Anschließend die anderen Zutaten zugeben.

Die Dips passen wunderbar zu Raclette und halten sich mehrere Tage im Kühlschrank (der koranische Dip auch mehrere Wochen). Mit dem Tomaten-Dip lassen sich auch Nudeln machen: Ein paar Karotten fein schneiden und mit Zitronensaft, dem Tomaten-Dip, Ingwer und etwas Nudelwasser kurz kochen; mit frischen Nudeln servieren.